
Huch. Schon wieder so lang nichts geschrieben. Nunja, es gab ja auch viel zu tun in den letzten Tagen. Wie ich schon vor einiger Zeit berichtet hatte, wird Coma in 5.1 Mehrkanalton gemastert. Ich dachte mir, es sei sicher interessant ein wenig genauer darüber zu schreiben. Mehrkanalton bedeutet, dass es also nicht nur zwei Kanäle wie bei Stereo gibt, sondern insgesamt sechs Kanäle, wodurch die Klangverteilung im Raum wesentlich genauer gesteuert werden kann. Heimkinoenthusiasten wissen sowieso wovon ich spreche.
Der Entschluss dazu kam durch die Premiere in einem Kino. Wenn man schonmal die Gelegenheit hat, seinen Film im Kino zu sehen, dann sollte auch der Ton so sein, dass er dieser Location würdig ist.
Dies ist auch einer der Gründe, wieso die Postproduction soviel länger gedauert hat, als zuerst geplant. Anstatt alle Töne nur auf Links und Rechts zu verteilen, musste der gesamte Sound im Raum positioniert werden, was bei etlichen Szenen bedeutet, dass die gesamte Geräuschkulisse aus der Konserve nachgebaut werden musste. Das Problem ist, dass der Dialogton bei 5.1 Klang aus nur einem Lautsprecher kommt, Soundeffekte aus zwei weiteren (bzw. aus einer bestimmten Richtung), Atmos und Musik schließlich aus mehreren. Der gesamte Ton muss folglich aufgetrennt und passend verteilt werden. Das beansprucht eine Menge Zeit (und Nerven), da viele Sounds nochmal neu aufgenommen werden müssen, klingt aber zum Schluss unglaublich gut.

Anders als bei Stereo gibt es bei Surroundsystemen mehrere Lautsprecher, die den Zuschauer (oder Zuhörer) von allen Seiten umgeben. Bei den gängigsten Verfahren sind das 5. Vorne links und vorn rechts, dazwischen ein Center. Hinter dem Zuschauer befinden sich jeweils links und rechts zwei weitere Lautsprecher. Diese fünf Lautsprecher sind Vollspektrumkanäle, d.h. sie geben den gesamten hörbaren Frequenzbereich wieder. Zusätzlich gibt es einen Kanal für Tiefbasstöne. Er wird als LFE Kanal (Low Frequency Effects) bezeichnet und steuert einen Subwoofer an. Der LFE ist im Frequenzbereich eingeschränkt, da er nur tiefe Töne überträgt. Er wird daher als “.1″ Kanal bezeichnet. Daher kommt auch die Bezeichnung “5.1″ Wo genau der Subwoofer platziert wird, ist eigentlich egal, da das menschliche Gehör tiefe Töne nicht genau orten kann (deswegen ist er im Schema links auch in der Mitte platziert).
Die fünf Vollspektrumlautsprecher spannen gewissermaßen einen virtuellen Raum um den Zuschauer auf. Innerhalb dieses Raumes können nun Klänge positioniert werden. Soll ein Ton von vorn links kommen, dann wird er auf den linken vorderen Kanal gemischt. Soll er den ganzen Raum erfüllen und den Zuschauer umgeben, wird er auf auf L, R, LS und RS gemischt.
Die Tonmischung kann in mehrkanaltonfähigen Schnittprogrammen wie Premiere oder Nuendo erfolgen. Was man letztlich nimmt ist eigentlich eher eine persönliche Preferenz. Die Tonmischung für Coma wurde mit Premiere gemacht.

Um nun den Klang sowohl in der Aussteuerung als auch in der Klangfeldverteilung beurteilen zu können, bedarf es zweier Monitoringsysteme (Monitoring bedeutet soviel wie “Abhören”). Die Aussteuerung wird über Kopfhörer überwacht. Dabei sind gute Kopfhörer unerlässlich: Sie müssen alle Frequenzen neutral und auch bei hohen Lautstärken unverzerrt ausgeben können. Die meisten HiFi Kopfhörer fallen damit schon aus der Auswahl, da sie meist bestimmte Frequenzbereiche verstärken (um für einen “warmen und vollen Bass” oder “brillante Höhe” zu sorgen). Das ist für den Zuschauer sicher eine ganz tolle Sache, aber nicht, wenn man den Ton so abmischen muss, dass er möglichst überall gut klingt. Empfehlenswert sind daher richtige Studiokopfhörer, z.B. von AKG.

Für die Beurteilung der Klangfeldverteilung benötigt man einen Verstärker mit einem Mehrkanaltonprozessor und natürlich mehrere daran angeschlossene Lautsprecher. In meinem Fall ist das ein DTS Decoder von Yamaha.
Um den Ton für ein 5.1 Surroundsystem zu kodieren sind zur Zeit zwei Verfahren am weitesten verbreitet: Dolby Digital und DTS. Abgesehen von technischen Details unterstützen sie beide die gleiche Anzahl von Kanälen. Ich favorisiere allerdings DTS vor Dolby Digital, da ich Filme, die in DTS codiert sind irgendwie klarer und brillianter finde (Dolby Digital neigt irgendwie dazu, zu “dicht” zu klingen.)

Mit einigen Tricks kann man nun Premiere dazu bewegen, den Mehrkanalton aus dem Schnittfenster direkt auszugeben - mit dem Standard ASIO Treiber wird nur ein Stereo-Downmix ausgegeben, d.h. alle 5.1 Kanäle werden zu einem Stereosignal zusammengefasst, was einem natürlich bei der Beurteilung der räumlichen Verteilung nicht wirklich hilft. Es gibt allerdings einen speziellen OpenSource ASIO Treiber (ASIO4All), der auch mehrere diskrete Kanäle ausgibt. Verwendet man diesen Treiber in Premiere, hört man alle Kanäle direkt beim schneiden. Um eine absolut rauschfreie Wiedergabe zu erreichen, wird der Ton über eine spezielle Soundkarte in DTS codiert und via Glasfaserkabel an den Yamaha Decoder übertragen. Dort wird er schließlich decodiert und wiedergegeben. WYHIWYG sozusagen ;D
Das Ergebnis kann sich definitiv hören lassen. Der Film wird auf der DVD übrigens in beiden Tonformaten - DTS und Dolby Digital - vorliegen, so ich nicht doch irgendwelche versteckten Lizenzgebühren für die Verwendung entdecke. Bislang sieht es aber so aus, als müsse der Film nur bei Dolby und DTS angemeldet werden.
An dieser Stelle möchte ich noch dezent darauf hinweisen, dass sich in der Progress Chart einiges getan hat. Ja ganz recht: Das Ende ist nah. Da mittlerweile auch die Masterarbeit ein konkretes Abgabedatum hat (31.03.08), wird es also nicht mehr allzulang bis zur Premiere dauern. Um auch allen Studenten, die mitgewirkt haben, entgegen zu kommen, wird ein Termin sehr wahrscheinlich in den Semesterferien sein.
So far: Happy happy, joy joy!
ey du,
wann ist es denn endlich soweit…ick will nach berlin !
greetzy katrin
Left by Regieassi on February 5th, 2008