Alles begann mit einer unscheinbaren Textzeile in einer Email. “Kleines Problem, ich habe keinen Führerschein.” Zunächst verstand ich nicht ganz, warum mir Juliane das mitteilte. Plötzlich dämmerte es mir: Im Drehbuch gab es eine Szene, in der ihr Charakter Auto fährt.
Angstschweiß stand mir auf der Stirn. Was tun? Szene umschreiben? Niemals. Szene neubesetzen?? Undenkbar. Führerschein spendieren??? Unbezahlbar. Irgendwie musste Juliane das Auto fahren bzw. es musste zumindest so aussehen. Da wir auf MiniDV drehen wollte ich keinesfalls mit Greenscreen arbeiten.
Ich ging in mich und mir fiel eine kurze Szene aus Truffauts Amerikanischer Nacht ein. Dort wird eine Autofahrt gemacht, indem der Spielwagen geschleppt wird. Also begann die Recherche, damit das Ganze rechtlich sauber ist.
Anfragen bei Polizei und Fahrschulen brachten die selbe Erkenntnis: Wenn im abzuschleppenden Fahrzeug der Motor nicht läuft, darf ein Fahrer auch ohne Führerschein ans Steuer. Das Schleppen hat sogar einige Vorteile: Die Schauspieler können sich mehr auf die Handlung konzentrieren, es gibt kein störendes Motorgeräusch und das Ganze sieht authentisch aus.

Gestern begannen dann die ersten Tests mit einer Schleppstange um zu sehen, wie Schleppfahrzeug und Spielwagen mit einander harmonieren. Nachdem die Tests zufriedenstellend verliefen kam heute das Fahrtraining mit Juliane. So trafen wir uns am frühen Nachmittag und fuhren in ein Industriegebiet hier in der Nähe, wo nie was los ist.

Mein Vater erklärte ihr ein paar Grundlagen des Fahrens und wir drehten ein paar Runden, damit sie ein Gefühl für die Lenkung bekommt. Juli war sichtlich begeistert vom Autofahren und es kam nichts und niemand zu schaden. Nachdem somit auch die heutigen Tests erfolgreich verliefen können wir alle wieder ruhig schlafen und Montag Nacht kann kommen.

Und damit die Geschichte multimedial abgerundet wird, gibts hier noch ein kleines Video:
Happy happy, joy joy!