Um ein Haar hätte ich die Tradition der billigen Wortspiele auf das Wort “Dolly” aufgegeben und den Witz noch weiter verflacht - hätte Wanda mich nicht überzeugt, dass es noch eine dritte - wahre - Dolly gibt! Die Google Bildersuche half mal wieder weiter und wir können mit diesem dritten Teil der “Ich baue meinen eigenen Dolly”-Anleitung die Artikelserie stilvoll abschließen. Wer errät, wer diese Dame ist, bekommt einen Kaffee spendiert ;D Nachdem es im ersten Teil um den Bau eines einzelnen Schienenstückes ging und der zweite Artikel sich ausgiebigst mit dem Bau des Wagens befasste, geht es im dritten und letzten Teil um die Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Schienensegmenten.

Abschließend gibt es einen kleinen Erfahrungsbericht und ein paar Gedanken zur Verbesserung des ganzen Systems, welches ja Anfang März seine Feuertaufe in der ersten Drehphase hatte.

Der Grundgedanke der Segmentverbindung war, wie der gesamte Dolly, geleitet von der Idee, ein schnell auf- und abbaubares, robustes und modulares (und funktionierendes) System zu bauen. So mussten auch die Verbindungen einfach, robust und modular sein. Am geeignetsten schien dabei ein Stecksystem, welches die Rohre von innen verbindet, damit es keinen überlappenden Schienenstoß gibt. Zusätzlich sollten die Verbindungen über Splinte gegen verrutschen und versehentliches Lösen gesichert sein. Damit dieser Teil auch Sinn macht solltet ihr natürlich bereits zwei Schienenstücke wie im ersten Teil beschrieben gebaut haben!

Die Materialienliste für die Steckverbinder ist erfreulich kurz:

  • 4 M4×40 Maschinenschrauben
  • 4 M4 Flügelmuttern
  • Das 3cm Kunststoffrohr aus Teil1

Die Werkzeugliste ist auch kurz, dafür aber etwas spezialisiert:

  • Bohrmaschine mit Bohrständer
  • 5mm Bohrer
  • Kleiner Schraubstock
  • Einfache Bastlersäge
  • Schleifpapier zum Entgraten der Kunststoffteile

Schritt 1:
Zunächst wird eins der Schienenrohre in den Schraubstock eingespannt. Mit der Bohrmaschine und einem 5mm Bohrer wird nun möglichst mittig das Rohr zu beiden Enden durchbohrt (in einem Zug durch)

Schritt 2:
Nun wird vom Plastikrohr ein ca 10cm langes Stück abgesägt und entgratet. Längs des Rohrstückes wird ein Streifen herausgesägt - und zwar soviel, dass sich das Plastikrohrstück mittels verbiegen in das Kupferrohr schieben lässt.

Schritt 3:
Das Kupferrohr mit dem darinsteckenden Plastikrohr wird nocheinmal durchbohrt (wobei die Löcher im Kupferrohr quasi als Schablone dienen). Schließlich wird eine M4×40 Schraube durch die beiden Löcher gesteckt und mit einer Flügelmutter gesichert.

Schritt 4:
Spannt ein zweites Rohr in den Schraubstock ein und steckt den Verbinder, der im ersten Kupferrohr steckt in dieses zweite Rohr (sodass beide mit einander verbunden sind). Ich erwähnte, dass ihr für diesen Teil viel Platz braucht? Jetzt wird auch dieses Rohr einmal durchgebohrt und die Verbindung mit einer Schraube und einer Mutter gesichert.

Wenn ihr ordentlich gearbeitet habt, dürfte es keinen (oder nur einen sehr leichten) Schienenstoß geben. Wiederholt die Schritte 1-4 für alle weiteren Rohre, die verbunden werden sollen. Da die Verbindungen nicht gemessen wurden, passen bei dieser Konstruktion immer nur die zusammenmontierten Rohre zusammen. Daher haben wir die Rohre markiert: Die linke Seite beginnt mit A, die rechte Seite mit B. Je zwei Stöße haben die selbe Nummer. A0===A1|A1===A2|A2===A3 usw. Das heißt jeweils zwei gleiche Markierungen gehören zusammen.

Schlussbetrachtungen
Nachdem wir den Dolly mehrfach in der ersten Drehphase eingesetzt haben (und das auch in der zweiten Drehphase tun werden) zeigten sich einige Stärken und Schwächen. Zunächst die Stärken: Der Dolly ermöglicht extrem saubere Fahrten - egal wie der Untergrund beschaffen ist - und das auch über längere Strecken. Auf- und Abbau gehen blitzschnell. Es dauert mit zwei Leuten ca. 30 Sekunden. Das Argument, eine Dollyfahrt aus Zeitgründen nicht einzusetzen entfällt also. Unsere Konstruktion hat jedoch einige Einschränkungen (was teilweise daran liegt, dass es ein Prototyp ist): Kupferrohre sind nicht besonders biegestabil. Gerade zwischen den Schwellen neigen die Rohre dazu sich durchzubiegen, wodurch die Fahrt wellig werden kann. Dem kann man entgegenwirken indem man mehr Schwellen baut. Der Dolly braucht recht viel Platz. In engen Räumen sind die 2,5m Stücke etwas überdimensioniert. Es empfiehlt sich unter Umständen, auch kürzere Schienen zu bauen. Letzte Einschränkung: Bislang sind noch keine Kurvenfahrten möglich, was aber vielleicht in Naher Zukunft gelöst sein wird.

Insgesamt hat sich die Investition gelohnt und der Film verdankt seine schönsten Fahrten dieser Konstruktion.

Und nun viel Spaß beim Filmen mit ruhigen Kamerafahrten.

Happy happy, joy joy!

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