Es war ruhig. Zu ruhig. Geradezu verdächtig ruhig um dieses Blog geworden. Was war geschehen? (Ich habe erst überlegt, ob ich so ein Posting schreiben sollte, da es nicht viel mit dem Film zu tun hat (aber irgendwie doch auch schon wieder…) Eigentlich mag ich ja solch autobiografischen Käse nicht. Aber nachdem ich die Geschichte sowieso schon mehreren erzählt habe, kann ichs auch dem Rest der Welt antun.) Es folgt also ein mehr oder weniger kurzer Abriss der letzten Monate… Quasi “Was war, was wird”
Drehen wir die Uhr zurück…
Montag, 2. April
Während der Dreharbeiten zum neuen Westfalenblatt Kinospot beginnt mein linkes Ohr im halbstunden Takt zu fiepen. Nachdem gegen Abend aus dem gelegentlichen Fiepen ein Dauerton geworden ist, steht ein Besuch beim HNO an. Dieser diagnostiziert einen Hörsturz (juhu -.-), tut aber nichts weiter (juhu! -.-) Die nächsten Wochen zeichnen sich durch Kopfschmerzen, Schwindel und Ohrgeräusche aus, wobei ein wahrlich beachtlicher Umfang an Tönen dabei ist. Rauschen, pfeifen, brummen - Stimmen klingen manchmal metallisch, manchmal fiepsig. Gegen Ende April stellt sich schließlich langsam wieder soetwas wie Normalität ein.
Dienstag, 1. Mai
Alles neu macht der Mai. Nachdem sich bereits am Vortag ein leichter Schwindel einstellte, wurde es immer schlimmer. Jede kleinste Bewegung löst unerträglichen Schwindel aus. Verwandte in Bielefeld holen mich auf Befehl meiner Eltern schließlich erstmal zu sich. Nachdem die verschiedensten Medikamente nicht anschlagen, erfolgt gegen 23.30 die Einweisung ins städtische Krankenhaus Bielefeld. HNO Station. Trotz der verschiedensten Medikamente (es gab sogar was gegen Schizophrenie - ich hab mich noch nie so allein gefühlt *g*) stellt sich keine Besserung ein. Nach zwei Tagen und jeder Menge Cortison können schließlich die Untersuchungen beginnen. Absonderliche Tests, bei denen einem Wasser ins Ohr gepumpt wird, MRT (meiner Meinung nach hat das MRT die elektronische Musik nachhaltig beeinflusst!) und Gleichgewichtstest auf einer druckempfindlichen Platte (ich weiß jetzt, dass wenn ich meinen Körperschwerpunkt leicht nach links hinten verlagere, ich knappe 300g leichter werde!) Nach einer Woche werde ich entlassen. Ich kann wieder stehen und sogar gehen. Langsam. Ein 80jähriger mit Krückstock hätte mich vermutlich mit links abgehängt.
Dienstag, 8. Mai
Nachdem meine Eltern es sich nicht nehmen ließen mich in Bielefeld zu besuchen, fahre ich mit ihnen nach Berlin zurück. Hauptsächlich weil wir hier eine gute HNO Ärztin haben. Die machte dann alle Tests mit mir nochmal (und sogar noch welche die ich noch nicht kannte - es hatte ein bisschen was von einem Sammler auf der Jagd). Außerdem werden mir mindestens zwei Liter Blut abgezapft für den wohl umfassendsten Bluttest der Geschichte der Medizin. Die Auswertung umfasst 2 Seiten. A4. Kleine Schrift. Einfacher Zeilenabstand. Schließlich wertet sie MRT, Bluttests und alle anderen Tests aus und kommt zu einem unfassbaren Ergebnis: Es kann nicht genau bestimmt werden, was die Ursache für den Schwindel ist. Wenigstens kann man mir sagen, was es alles nicht sein kann. Das tröstet. Fleißig und ehrgeizig mache ich meine Anti-Schwindel-Übungen: Shoppen und ausruhen.
Freitag, 24. Mai
Wieder zurück in Bielefeld. Der Schwindel ist mittlerweile fast weg. Medikamente und Ruhe tun manchmal wirklich Wunder. Die Arbeit am Film kann weitergehen. Leider verschiebt sich einiges. Geplant war die zweite Drehphase ab dem 20. Mai - der Termin ist jetzt nicht mehr haltbar. Ich beschließe, die zweite Drehphase auf Anfang August zu vertagen. Hauptsächlich deswegen, weil Björn, der Besitzer des Honda CRX, nur zu dieser Zeit in Berlin ist.
Die nächsten Wochen verbringe ich mit dem Schnitt. Insgesamt liegen 8 Bänder mit Material vor mir. Auf dem Rechner sind es dann 90GB. Der erste Schock: Der Rohschnitt ist 24 Minuten lang. Der Feinschnitt kommt schließlich auf beachtliche 20 Minuten. Vielleicht wird ja der fertige Film doch länger als 25 Minuten. Wir werden sehen.
Anfang Juli
Die Planung für die zweite Drehphase beginnt - insbesondere für die Autoszenen. Manchmal treffen Lieferungen im Tagesrhythmus ein. Lampen, Filter, Kamerazubehör. Ich übergebe alle Special Effects Shots an meinen Schwager, der mir mit seiner Hilfe eine Menge Arbeit abnimmt. Dann die ersten Probleme: Björn sagt ab. Ich stehe ohne Auto da. Er verspricht einen Ersatz. Schnell ist ein Ersatzwagen gefunden. Ich erfahre, dass Katrin vermutlich nicht in Berlin dabei sein kann. Auch Kasia, unsere Visagistin, ist in der Drehwoche verhindert. Schließlich schafft Tolga es, Katrin umzustimmen und doch in Berlin wieder dabei zu sein (du wirst es nicht bereuen!)
Mitte Juli
Wieder zurück in Berlin. Die ersten Kamera- und Lichttests beginnen. Ich stehe mir vier Stunden vor der Pyramide die Beine in den Bauch für eine Zeitrafferaufnahme. Es hat sich gelohnt - das Ergebnis ist super geworden! 667 Aufnahmen, jeweils im Abstand von 20 Sekunden, insgesamt 12GB an Daten; für 10 Sekunden Film. Ich zeige den ersten auserwählten Zuschauern den Rohschnitt. Die Reaktion ist durchweg positiv. Ich beschließe, einen der Effektshots mit Denis im August nicht mit einer Latexmaske zu machen, sondern den digitalen Weg zu gehen (Hauptsächlich um das Budget zu entlasten). Unverhofft kommt oft: Der Ersatz für Björns CRX sagt schließlich auch ab. Enttäuscht beschließe ich, auf meine Markentreue zu scheißen.
Anfang August
Durch einen großen Zufall bekomme ich die Zusage für einen BMW Z3 (silber). Mit Blender werden schnell ein paar Prävisualisierungen für die Autoszenen geschaffen. Es finden sich die Darsteller für den digitalen Effektshot mit Denis. Wir haben noch immer keine Maske. Ich frage Nancy, welche aber gesundheitlich verhindert ist. Eine Option haben wir noch. Sonst müssen die Mädels ran *g* Die letzten Vorbereitungen beginnen.

Ich bin aufgeregt.