Ja, ich gestehe: Ich gehöre zu den Menschen, die im Kino bis zum Schluss sitzen bleiben - den fliehenden Menschenmassen und herbeirückenden Putzkolonnen trotzend - nur um kilometerlange Listen von Namen völlig unbekannter Leute lesen zu können: Den Abspann. Man möge es nun als Marotte oder minderschwere Form einer Geisteskrankheit bezeichnen. Ich glaube aber eher, dass viele Menschen den Abspann eines Films nicht lesen, weil sie ihn nicht verstehen. Ok, vermutlich haben sie einfach nicht die Zeit oder das Interesse, aber ich unterstelle mal einfach Unwissenheit um eine schnöde, an den Haaren herbeigezogene Motivation für diesen Artikel  zu bekommen.

Nachdem ich neulich eine kleine Reihe von Beiträgen zum Thema Filmwissen mit dem Artikel “Licht und Farbe” begonnen hatte, ist es an der Zeit diese Reihe fortzusetzen. Diesmal soll es um Jobs beim Film gehen. Dabei werden bekannte Positionen wie Gaffer und Foley Artist erklärt, aber auch solche, bei denen man sich schon immer gefragt hat, was zum Henker das eigentlich sein soll, z.B. Director oder Producer. Die Bezeichnungen stammen aus dem amerikanischen Raum und werden, soweit möglich, auch mit einem deutschen Pendant erklärt.

Natürlich gibt es diese Positionen nicht in jedem Film. Bei einer kleinen Low Budget Produktion machen unter Umständen fünf Leute das, was bei einer multimillionendollar Produktion ein ganzes Heer von Menschen macht. Auch sind die Tätigkeiten nicht immer exakt die selben. Wenn also bei einem Filmjob etwas aufgelistet ist, was sonst jemand anderes macht, dann kann das durchaus auch richtig sein. Die Liste erhebt auch bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viele Positionen wie Schauspieler, Dekorateure, Stylisten, Dompteure, Fahrer, Caterer,… bleiben außen vor, da sich bei ihnen meist durch den Namen die Funktion erschließt.

Genug gefaselt - auf geht’s:

  • Producer
    Der Produzent ist der Chef der Produktionsfirma, die den Film produziert. Ohne ihn würde es keinen Film geben: er plant, organisiert, verwaltet; Budgets beschaffen, Schlüsselpositionen im Stab besetzen, den Film verwerten.
  • Associate Producer
    Führt Aufgaben aus, die der Produzent an ihn delegiert hat.
  • Executive Producer
    Der ausführende Produzent finanziert den Film. Er hat bei allem das letzte Wort und ist die oberste Entscheidungsinstanz. Er führt Verhandlungen mit Sendern und Sponsoren. Er wägt auch das Vermarktungspotential des Films ab und kann aufgrund dessen beschließen, den Film produzieren zu lassen oder es eben sein zu lassen.
  • Line Producer
    Der Line Producer ist kein reiner Schreibtischtäter, sondern ist meist direkt mit Vorort und überwacht die Durchführung der Produktion.
  • Production Accountant
    Der Buchhalter.
  • Screenwriter
    Der Drehbuchautor schreibt das Drehbuch zum Film. Entweder ist es seine eigene Idee oder er entwickelt das Drehbuch nach den Wünschen und Vorstellungen anderer.
  • Location Manager
    Er arbeitet direkt mit Regie und Szenenbildner zusammen und kümmert sich um die Drehorte: Drehgenehmigungen, Termine, Absperrungen. Was wird wann, wo, wielange gebraucht. Gibt es keinen Location Scout, dann kümmert sich der Location Manager auch um die Suche nach geeigneten Drehorten.
  • Location Scout
    Der Location Scout sucht mögliche Drehorte, an denen Szenen des Films gedreht werden können. Personen mit guter Ortskenntnis und vielen Kontakten sind prädestiniert für diesen Job. Hat der Location Scout mögliche Drehorte gefunden, macht er Fotos und übergibt seine gesammelten Informationen an die Regie (Diese lehnt dann alle Vorschläge ab und der Scout darf nochmal los.)
  • Director
    Der Regisseur. Er ist verantwortlich für die Umsetzung des Drehbuchs. Wenn man so will die kreative Leitung: Auswahl von Schauspielern, technisch-kreativem Stab (Kamera, Maske, Regieassistenz,…), Spezialeffekten, Drehorten, Requisiten, Musik, evtl. Archivmaterial. Um ein echter Regisseur zu werden muss man allerdings zehn wichtige Eigenschaften besitzen.
  • 1st Assistant Director
    Die Regieassistenz. Die rechte Hand und der linke Fuß des Regisseurs. Stoppt z.B. das Drehbuch durch um die ungefähre Länge des daraus resultierenden Films zu bestimmen. Die Regieassistenz bereitet auch die Informationen auf, die in die Disposition gehören: Wer ist an welchem Tag wielange am Set.
  • Script/Continuity
    Der oder die Continuity achtet während der Produktion des Films darauf, dass sich keine Anschlussfehler einschleichen (nasse Hosen sind plötzlich trocken, Narben oder Male wechseln ihre Position, etc.) Dazu wird schon vor dem Dreh das Drehbuch auf mögliche Fehlerquellen durchsucht und diese werden markiert. Während des Drehs macht der/die Continuity tausende von Fotos, damit im Zweifelsfall geklärt werden kann, ob der Schlüssel nun in die linke oder rechte Hosentasche gesteckt wurde.
  • Director of Photography
    Der DoP legt in Absprache mit dem Regisseur den Look des Films fest. Er legt die Bildkomposition fest und wählt alle visuellen Parameter des Films: Welches Filmmaterial wird verwendet (film stock), welche Kameras, welche Objektive, welche Beleuchtung, welche Lichtfilter, welche Kamerafilter. Diese Position gibt es nur im amerikanischen Raum - in Deutschland fallen diese Funktionen dem Kameramann zu. Manchmal finden sich bei DoPs und Camera Operators Zusätze wie A.S.C. oder B.S.C. Durch diesen Namenszusatz wird hervorgehoben, dass die betreffenden Personen Mitglied der American Society of Cinematographers oder der British Society of Cinematographers sind. Beides sind recht exklusive Vereinigungen von Kameraleuten (z.Zt. hat die A.S.C. nur 450 Mitglieder).
  • Camera Operator
    Anders als der deutsche Kameramann hat der amerikanische Camera Operator keine großen kreativen Entscheidungsmöglichkeiten. Im Deutschen könnte man ihn eher als “Schwenker” bezeichnen, da er nur auf die Einhaltung technischer Parameter achtet, z.B. dass alles im Bild ist, dass der Schwenk sauber war, etc. 
  • 1st Assistant Camera Operator (Focus Puller)
    Der erste Kameraassistent zieht die Schärfe am Objektiv nach. Etwas, das man bei Video nicht oder kaum kennt. Da bei 35mm Film die Bildfläche größer ist, ist die Schärfentiefe geringer. Es muss also bei Bewegungen auf die Kamera zu und von ihr weg permanent nachfokussiert werden, wenn man kein unscharfes Bild haben will.
  • 2nd Assistant Camera Operator (Clapper Loader)
    Der zweite Kameraassistent schlägt die Filmklappe, lädt und wechselt die Filmmagazine. Das Filmmaterial kommt in kleinen Blechbüchsen und muss dann in das Magazin der Kamera eingespult werden. Ist die Filmrolle abgedreht, wird das Magazin ausgetauscht, entladen und wieder neubespult.
  • Steadicam Operator
    Der Steadicam Operator bedient das Stabilisationssystem der Kamera. Da für Steadicams Erfahrung und Übung nötig sind, werden dafür gelegentlich separate Leute genommen.
  • Motion Control Operator
    Ähnlich dem Steadicam Operator bedient und programmiert der Motion Control Operator automatisierte Kamerakransysteme, mit denen selbst die verdrehtesten Kamerabewegungen immer und immer wieder durchgeführt werden können.
  • Key Grip 
    Der Key Grip ist der Chef aller Grips. Er überwacht, dass beim Umbauen alle ausgelastet sind und niemand dumm rumsteht.
  • Grip
    Das gemeine Fußvolk. Verantwortlich für Tragen, Stellen, Legen. Grips sind sozusagen helfende Hände am Set wenn es ans Umbauen geht.
  • Dolly Grip
    Dolly Grips ziehen oder bewegen den Dolly.
  • Best Boy
    Als Best Boy wird meist die rechte Hand von Gaffer oder Key Grip bezeichnet. Dementsprechend gibt es einen Best Boy (Grip) und Best Boy (Electrical). Best Girls werden sexistischerweise übrigens ebenfalls als Best Boys bezeichnet.
  • Gaffer (Chief Lighting Technician)
    In etwa mit dem Chefbeleuchter im Deutschen vergleichbar. Arbeitet mit dem DoP zusammen um nach dessen Vorstellungen die Beleuchtung aufbauen zu können.
  • Lighting Technician
    Lichttechniker. Verkabelt und baut Lichtanlagen auf.
  • Production Sound Mixer
    Kümmert sich um die Tonaufnahmen am Set (Aussteuerung, Tonqualität)
  • Boom Operator
    Versucht mittels einer Tonangel das Mikrofon so nah wie möglich an die Schauspieler heranzubekommen um so den Ton bestmöglich zu mikrofonieren. Dabei muss darauf geachtet werden, keine sichtbaren Schatten zu werfen, nicht in Spiegelungen aufzutauchen oder mit dem Mikrofon ins Bild zu geraten. Ansonsten ist alles erlaubt wenn damit möglichst viel Direktschall aufgenommen werden kann.
  • Film Editor (Cutter)
    Arbeitet direkt mit dem Regisseur zusammen um den Film nach dessen Wünschen und Vorgaben zu schneiden. Zunächst erfolgt der Rohschnitt, wobei grob festgelegt wird, welches Material (welche Wiederholung eines Takes) in welcher genauen Abfolge (Rhythmus) verwendet wird. Danach erfolgt der Feinschnitt wo genaue Anpassungen erfolgen. Der Begriff Cutter ist übrigens die deutsche Berufsbezeichung; im Englischen wird er Editor genannt. Manchmal findet sich als Namenszusatz die Abkürzung A.C.E. die für American Cinema Editors steht, einer nicht-kommerziellen Organisation amerikanischer Cutter.
  • Colorist/Color Timer
    Der Filmlichtbestimmer sorgt dafür, dass die im Schnitt verwendeten Filmteile vom Aussehen an einander angepasst werden (Kontrast, Helligkeit, Farbe). Der Colorist ist auch für bestimmte Farbeffekte verantwortlich, z.B. Bleichung oder Einfärbung (Bleaching/Tinting) und kann damit die Wirkung von Szenen stark beeinflussen.
  • Negative Cutter
    Beim Schnitt wird nur mit einer Positivkopie der Originalaufnahmen gearbeitet. Ist nun der Schnitt abgeschlossen, sucht der Negativcutter die passenden Originalnegative (oder mit Visual Effects versehene Negative) und schneidet diese entsprechend der Positivvorlage. Dies resultiert dann im fertigen Film. Im modernen Workflow wird allerdings nur noch mit Digital Intermediates gearbeitet. Das bedeutet, dass die Originalnegative erst gescannt, dann bearbeitet und schließlich wieder auf Film ausbelichtet werden.
  • Visual Effects Supervisor
    Er überwacht die Produktion aller Spezialeffekte, gibt aufgrund seiner Erfahrung den einzelnen Effektkünstlern Ratschläge und sorgt dafür dass die Wünsche des Regisseurs bestmöglich und effektiv umgesetzt werden.
  • Compositor
    Beim Compositing werden verschiedene Filmteile und Computergrafikelemente zu einem Bild zusammengesetzt, z.B. Greenscreen Aufnahmen und ein 3D Hintergrund. Der Compositor muss darauf achten, dass die einzelnen Elemente perfekt zusammenpassen und die Bildmanipulation nicht auffällt.
  • Rotoscoping Artist/Paint Artist
    Rotoscoper können auch als “Maskenzieher” bezeichnet werden, da das ihre Aufgabe ist: Bestimmte Teile der einzelnen Bilder (wovon eine Sekunde Film 24 hat) maskieren. Für die Lichtschwerter (und natürlich auch andere Effekte) in Star Wars wurde ein ganzes Heer von Rotoscopern benötigt. Gerade bei Filmen, die vor Special Effects nur so strotzen ist die Liste der Rotoscoper meist länger als die der Schauspieler. Früher wurden die Masken auf Celluloid gemalt, heute werden sie im digitalen Workflow mit verschiedenen Programmen erzeugt.
    Paint Artists werden gelegentlich auch als “Pixelfuckers” bezeichnet, da sie kleinere Retuschen vornehmen. Wurden Kleinigkeiten am Set vergessen und stehen noch im gefilmten Bild rum (z.B. Kabel, Mikrofone oder Autos) ist es die ehrenvolle Aufgabe der Painter, diese Gegenstände wegzuretuschieren. Meist müssen allerdings nur Kratzer (oder Dropouts bei Digitalem Video) oder sonstige Bildstörungen beseitigt werden.
  • Matte Painter
    Der Matte Painter zeichnet und malt Filmhintergründe, die dann entweder beim Dreh in die Kamera eingespiegelt werden oder, wie es heutzutage der Fall ist, im Compositing eingefügt werden. Während früher matte Farben (daher der Name Matte Painting) oder Airbrush verwendet wurden, werden Matte Paintings heute nur noch am Rechner erzeugt, z.B. in Photoshop.
  • Sound Designer
    In etwa übersetzbar mit Tonmeister. Überwacht die gesamte Tonproduktion von der Aufnahme bis zum fertigen Mix.
  • Sound Editor/Dialogue Editor
    Verantwortlich für den Tonschnitt. Manchmal ist auch jemand separat für den Dialogschnitt verantwortlich.
  • Composer
    Er komponiert zusammen mit dem Regisseur die Filmmusik.
  • Foley Artist
    Der Foley Artist erzeugt Sound Effekte wie Schritte, Klingeln, Motorgeräusche, usw. Dementsprechend verfügen Foley Artists meist über eine große Sammlung an Telefonen, Türklingeln, Schuhen und Fußbodenbelägen.
  • ADR Editor/Mixer
    Manchmal passiert es, dass Tonaufnahmen vom Set unbrauchbar sind weil Störgeräusche die Aufnahme übertönen oder das Material beschädigt ist. Dann müssen Dialoge neu aufgenommen werden. Am Effektivsten geschieht dies im Automated Dialogue Replacement. Hierbei werden dem Schauspieler immer wieder die selben Dialogzeilen vorgespielt. Der Schauspieler spricht dabei den Dialog mit, was dann parallel aufgezeichnet wird. Durch das Mitsprechen werden die Aufnahmen wieder synchron zum Film. Der ADR Editor/Mixer überwacht und schneidet dann diese Aufnahmen.

Ich hoffe, dass dieser “kleine” Ausflug in die Welt der Filmberufe interessant war und dass Ihr das nächste Mal den Abspann eines Films bewusster lest. Denn dann stellt sich öfter mal der Aha!-Effekt ein, wenn man weiß, was was bedeutet.

Lasst Euch überraschen, was als Nächstes in dieser Reihe erscheint.

Bis dahin:

Happy happy, joy joy!

One Response to “Who the f*** is a gaffer?”

Interessante “Aufschlüsselung” der Teils doch kryptischen Infos eines Abspanns ;-) Hierher gelangte ich übrigens auf der Suche nach dem “Script Editor” - leider “fehlt” gerade dieser hier :-)

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