Für alle, die ich beim letzten Mal mit den Schafen schon enttäuscht habe: Auch heute geht es nicht um Dolly, sondern wieder nur um schnöde Schienensysteme für Kamerafahrten. Dafür gehts im zweiten Teil der Serie, wie bereits angekündigt, um den Wagen der auf den Schienen (die wir im ersten Teil der Serie beschrieben haben) fahren soll.
Ebenso wie schon im ersten Teil gibts auch diesmal eine (diesmal ziemlich umfangreiche) Teileliste, eine Werkzeugliste, eine Anleitung und ein paar Bilder zur besseren Verständlichkeit.


Theoretische Vorüberlegungen

Die Grundidee des Dollys war, dass zwei im rechten Winkel zueinander stehende Rollen auf den Rohren entlangfahren sollen. Durch diese Anordnung halten sich die Räder durch das Auflagegewicht gegenseitig in der Spur. Da die Räder einen möglichst geringen Rollwiderstand haben sollen kam schnell die Idee, Skateboardrollen zu nehmen. Ok, zugegeben, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Aber wo die Idee ursprünglich herstammt weiß ich mittlerweile nicht mehr *g* Die Skateboardrollen werden dann über eine Art Achslager jeweils in einem 45° Winkel gehalten. Nimmt man von diesen Achslagern vier Stück und montiert sie unter eine Holzplatte, so bekommt man eine rollende Plattform. So weit die Theorie. Aus den Vorüberlegung und dem schnöden Abkupfern von Steffens Dolly entstand folgender Entwurf für ein Achslager:

 

Wir haben zwar einen recht umfangreichen Werkzeugkeller, aber solche Teile konnten wir beim besten Willen nicht selbst fertigen. Daher brauchten wir fachmännische Hilfe, die wir bei ProBlech, einer Firma für Blechbearbeitung und Konstruktionsbau, fanden. Die hatten genau das Knowhow und die Anlagen um unsere Achslager als Spezialanfertigung zu produzieren! Also übergaben wir ihnen die Pläne und konnten 3 Tage später die fertigen Teile abholen! Alle Lager waren absolut perfekt und vor allem absolut gleich (wichtig für die Spurtreue!)

Da jedes Lager aus 3mm starkem Stahlblech ist, ist es stabil genug um selbst einen Elefanten (oder mich) auf der Plattform auszuhalten *g* Wenn ihr euren eigenen Dolly bauen wollt (z.B. nach dieser Anleitung) dann könnt ihr eure Lager dort anfertigen lassen. Wir haben die Maße dagelassen, d.h. bei weiteren Anfragen haben sie die Werte da und können gleich loslegen. Aber auch abweichende Größen (z.B. für Taschendollies *fg*) sind kein Problem. Zu unserer absoluten Überraschung wurden wir von ProBlech gesponsort und durften uns die Lager einfach so abholen. Dafür an dieser Stelle nochmal einen ganz herzlichen Dank!!! (Die Lobesworte hätte ich aber sonst auch geschrieben, da das Ergebnis absolut präzise gefertigt war)

Bei den Rollen bestand wie schon erwähnt die Anforderung, dass sie möglichst leichtläufig sein müssen. Daher boten sich Skateboardrollen besonders an, weil sie zum einen kugelgelagert sind und zum anderen breit, was gewisse Toleranzen zulässt (Räder von Inlineskates sind zu spitz um in diesem Winkel zu greifen). Man sollte es nicht glauben, aber in Berlin ist es ein Problem, billige Skateboardrollen zu bekommen. Ebay dauerte zulang, daher brauchten wir eine Lösung zum sofort Mitnehmen.

Das war schwieriger als gedacht. Rollen an sich zu bekommen ist kein Problem, aber wir brauchten ja keine quietschbunten Rollen mit wohlklingenden Namen, wo dann vier Rollen 40,- und aufwärts kosten. Ein Kompromiss fand sich dann in einem Skateshop in der Spandauer Straße. Bei Titus bekamen wir nicht nur Rollen und Kugellager, sondern auch noch 33% Rabatt. Die Besitzer konnten sich für unseren Film begeistern und ließen sich erweichen, die Kosten für uns etwas zu senken. Auch dafür an dieser Stelle nochmal ganz herzlichen Dank!

Das ist natürlich nicht alles an Teilen. Insgesamt brauchten wir für die Plattform:

Einkaufszettel

  • 4 Achslager, Maßanfertigung (€0,-) 
  • 8 Skateboardrollen (55mm) und dazu 16 Kugellager, ABEC 3 reicht aus (zus. €40,-)
  • eine Holzplatte 100×80cm (€15,-)
  • 8 Maschinenschrauben M8×50 (€0,84)
  • 8 Muttern M8, selbstsichernd (€0,35)
  • 8 M8 Muttern (€0,35)
  • 8 Federringe M8 (€0,28)
  • 16 Maschinenschrauben M6×50 (€1,24)
  • 16 Muttern M6 (€0,42)
  • 16 Kotflügelscheiben M6,4×20 (€0,56)

 

Alles zusammen ergibt also: €59,04. Zusammen mit dem Schienenstück sind wir also beim “Einsteigerset” (2,5m Strecke + Plattform) bei €100,- angelangt, was ja auch in etwa das Ziel war =)

Werkzeugliste

Auch diesmal benötigen wir natürlich einige Tools:

  • verschiedene Mutternschlüssel für die Maschinenschrauben (meist aber zwei jeweils gleiche!)
  • Bohrmaschine mit 6mm Holzbohrer
  • Winkelmaß
  • langes Stahllineal
  • Bleistift

Die Holzplatte 

Zunächst sollten mit dem Winkelmaß und dem Stahllineal die Markierungen aufgezeichnet werden, an welchen Stellen eure Achslager später angebracht werden sollen. Mit ein bisschen einfacher Mathematik lässt sich aber aus der Spurweite S (74cm), der Plattenbreite P (100cm) und der Achsbreite A (9,5cm) ausrechnen, wo die Lager angebracht werden müssen, damit die Räder auch genau in der Spur liegen. Die Formel für die Markierungen ist: (P-S)/2 ± A/2. Und das jeweils von links und von rechts. In unserem Beispiel sind die Markierungen also von links aus gemessen bei (100-74)/2 ± 9,5/2 = 13 ± 4,75. Sprich bei 8,25cm und 17,75cm. Das Selbe natürlich auch von rechts aus gemessen.

Wenn ihr die Achslager also entsprechend eurer Markierungen angelegt habt, markiert ihr die Bohrlöcher auf dem Holz und bohrt mit einem 6mm Bohrer (wenn ihr 6mm Schrauben nehmt) durch die Platte. Je präziser ihr arbeitet, desto exakter wird der Dolly nachher in der Spur liegen!

Die Achslager

 

Je Rad braucht ihr zwei Kugellager, eine M8×50 Maschinenschraube, eine selbstsichernde M8 Mutter, das Achslager, einen Federring und eine normale M8 Mutter. Die Kugelllager werden in die Rollen eingesetzt. Dann wird die Schraube durch beide Kugellager gesteckt und mit der selbstsichernden Mutter gesichert. Die Mutter haben wir verkehrt herum angeschaubt, da so der schmalere Teil der Schraube gegen das Kugellager der Rolle drückt. Die Mutter nicht zu fest anziehen, da sich das Rad ja drehen muss! Es darf aber auch nicht so locker sitzen, dass das Rad zwischen Schraube und Mutter wackeln kann. Also bitte etwas probieren und mit Fingerspitzengefühl arbeiten. Steckt nun die zwei M6×50 Maschinenschrauben in die Löcher im Achslager (wenn das Rad dran ist, bekommt man die nicht mehr dran, deswegen macht das besser jetzt schon!)

Dann steckt ihr das Rad mit der Mutter in das Achslager, setzt von innen einen Federring gegen und schraubt eine M8 Mutter dran. Fest. Richtig fest! Das Ganze auf der anderen Seite wiederholen. Insgesamt müsst ihr dieses Spiel viermal machen, da es ja vier Achslager gibt.

Der Zusammenbau

Wenn ihr alle vier Achsen zusammengesetzt habt, können sie in die Löcher der Holzplatte gesteckt werden. Auf das auf der anderen Seite der Platte herausragende Ende der Schraube wird erst eine Kotflügelscheibe gesteckt und dann mit einer M6 Mutter gesichert. Jede Achse wird also von vier M6×50 Schrauben gehalten. Genug um den nächsten Weltkrieg zu überstehen *g*

Die fertige Plattform sollte in etwa so aussehen wie im Bild rechts. Wenn alles geklappt hat und ihr sauber und präzise gearbeitet habt (und euch nicht verrechnet habt! *g*) Dann sollte die Plattform genau auf eure Schienen passen. Wir hatten Glück und sie passte, als sei sie nur für diesen Zweck gebaut worden *g*

Die Plattform gleitet absolut ruhig auf den Schienen. Wenn man sie anschubst rollt sie sogar einen Meter weit allein! Die Belastbarkeit hab ich auch schon gestestet, indem ich mich einfach mal auf das ganze Konstrukt gestellt habe. Wie soll ich sagen: Es hält!

Eine erste Kamerafahrt hab ich auch schon gemacht, wenn auch nicht mit Josephine, sondern mit meinem Handy. Das Resultat kann hier bestaunt werden (ich weiß, die Fahrt selbst ist nicht gleichmäßig…)

Ein kleines Video, das den Dolly in Aktion zeigt kann man auch hier sehen.

Insgesamt benötigt man für den Bau der Plattform etwa 3-6 Stunden. Bei uns waren es 4, es wäre aber auch schneller zu schaffen gewesen. 

Im dritten und letzten Teil geht es dann um die Verbinder zwischen den Rohren, damit das Schienensystem einfach um weitere 2,5m Segmente erweitert werden kann.

Und nun viel Spaß beim basteln *g*

 Happy happy, joy joy!

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