
Wer sich von diesem Posting haufenweise geile Bilder von geklonten Schafen erhofft, wird schnell enttäuscht sein. Wer allerdings bei einem Dolly SOFORT an einen mobiles Stativsystem für Kamerafahrten denkt, der ist hier genau richtig. Dies ist der erste von drei Teilen eines längeren Postings, wie man einen Dolly billig (naja…) selber bauen kann. Nach momentaner Planung kostet der Selbstbau-Dolly mit 5m Schiene ca. EUR 100-120,-. Das ist ein Schnäppchen! (Wers mir nicht glaubt möge bitte schauen, was die Ausleihe von Schienendollies pro Tag kostet)
Ein Dolly ist eine unglaublich geniale Erfindung, ermöglicht es doch wackelfreie, ruckelfreie und manchmal sinnfreie Kamerafahrten (hey, man hat für das Ding immerhin teuer bezahlt!) Dolly-Arten gibts fast schon wie Sand am Meer: Mit vier Lufträdern, mit drei Rollen, auf Schläuchen oder aber auf Schienen! Letzte Variante hat den Vorteil, dass die Kamera vom möglicherweise unebenen Boden getrennt ist und auf einem eigenen, glatten Weg fährt. Das hat leider auch Nachteile: Die Schienen müssen erst gelegt und austariert werden und es können (wenn man jetzt mal von größerem Aufwand absieht) nur gerade Strecken gefahren werden.
Trotzdem ist ein Schienen-Dolly eine tolle Sache und da Coma jeden (hust) Aufwand wert ist, beschloss ich, endlich so etwas zu bauen. Und da es nichts schöneres gibt, als seinen Genius mit anderen zu teilen, gibts die Anleitung und den Erfahrungbericht hier im Blog. In diesem ersten Teil werd es um die Schienen gehen. Im zweiten Teil dann um den Wagen und im letzten Teil schließlich um die Schienenverbinder um mehrere Gleissegmente zu verbinden.
Der Dolly sollte dabei folgende Anforderungen erfüllen:
- Modularer Aufbau.
Der Dolly muss erweiterbar sein. Es muss also möglich sein, die Schienenstrecke zu verlängern - Robuster Aufbau
Der Dolly muss belastbar sein und darf nicht am Set zusammenbrechen. Die Konstruktion muss stabil sein und darf nicht bei Belastung wackeln. - Einfache Montage
Die Schienen müssen blitzschnell und unkompliziert aufbaubar sein - Platzsparend
Der Dolly muss in möglichst elementare und kompakte Module zerlegbar sein, damit er platzsparend gelagert und transportiert werden kann. Das gilt vor allem für die Schienen - Preiswert
Der Dolly sollte aus möglichst günstigen Komponenten bestehen. Streckenerweiterungen sollten möglichst wenig kosten! - Genügend Platz
Der Dolly sollte genügend Platz für ein großes Stativ (Manfrotto, Vinten, etc.) sowie den Kameramann bieten!
Einkaufszettel
Nach einer ziemlich langen Planungszeit, bin ich dann heute endlich zum Baumarkt gefahren und habe die ersten Teile gekauft. Da es in diesem Posting nur um das Schienensystem geht, liste ich mal nur die Teile auf, die ich für die Schienen brauchte:
- 2 Kupferrohre, Länge: 2,5m, Durchmesser: 28mm (je €17,50)
- 1 Kunststoffrohr, Länge: 3m, Durchmesser: 30mm (€3,75)
- 5 Holzbretter (je €0,89)
- 20 Kreuzschlitz-Schrauben M4×16 (zus. €0,30)
- Isoband (€5,79)
Damit kostet ein 2,5m Gleissegment ca. €41,- (Das Isoband reicht für knapp 100m Schiene, aus dem Kunststoffrohr kann man fast 5 Gleissegmente bauen).
Werkzeugliste
Es empfiehlt sich, über einen gut sortierten Werkzeugkeller oder Geräteschuppen zu verfügen. Im Notfall einfach den Papa fragen; der freut sich, wenn der Sprößling mal wieder Sauerei machen will *g* An Werkzeugen empfiehlt sich:
- Akkubohrschrauber
- Kreuzschlitz-Bit
- 2mm Holzbohrer
- Senklot (für die Vollprofis)
- Schleifpapier zum Entgraten der Kunststoffrohrteile
- 2 Schraubzwingen
- Einfache Bastlersäge
- Bandmaß oder Zollstock
- Winkel (der zum Zeichnen und Anreißen)
- Bleistift
Die Schwellen
Damit unsere Schienen irgendwo auflagern können, benötigen wir Schwellen. Die Bahn nutzt sie schon seit über 150 Jahren, also kann die Erfindung so falsch nicht sein und vom großen Bruder lernen, heißt ja bekanntlich siegen lernen. Die Idee für die Schwellen ist recht simpel: Die 5 Holzbretter bilden die Schwellenbasis. Aus dem Kunststoffrohr, welches einen leicht größeren Durchmesser als die Kupferrohre hat, lassen sich einfache Pfannen bauen, in welchen später die Kupferrohre lagern.
Daher beginnen wir mit dem Kunststoffrohr. Wir sägen es in fünf Stücke, die so lang sind wie unsere Holzbretter breit (war bei mir ca. 10cm).
Nun werden die kurzen Rohrstücke der Länge nach aufgesägt, sodass wir hübsche Halbrohre zurückbehalten.
Wir nehmen uns die 5 Bretter und markieren, wo die Pfannen angebracht werden sollen. Da meine Bretter 98cm lang waren, ich 74cm Spurweite haben wollte und die Kunststoffrohre 3cm Durchmesser haben, ergab sich folgende Verteilung:
|10,5cm|3cm|71cm|3cm|10,5cm|
Die halben Rohrstücke werden nun entsprechend der Markierungen auf den Brettern positioniert. Ich habe mir aus zwei kurzen Holzstücken und zwei Schraubzwingen eine Halterung improvisiert, damit die Rohrstücke nicht wegrutschen konnten.
Es werden jeweils zwei Löcher durch Rohr und Brett gebohrt. Profis können die Löcher im Kunststoffrohr auch mit einem Senklot etwas versenken, damit die Schraubenköpfe nicht zu weit in die Pfanne ragen.
Nun werden Schrauben in die Löcher geschraubt.
Diese Schritte werden stupide wiederholt bis alle 5 Schwellen fertig sind.
Schließlich werden die Pfannen mit dem Isoband ausgeklebt. Das Band dazu einfach in Stücke schneiden und diese Stücke dann in die Pfannen kleben. Aufpassen: Das Zeug klebt höllisch gut und zwar auf JEDEM Untergrund (Haut, Fliesen,…) Um es wieder abzubekommen muss man schon ganz schön friemeln. Also bitte aufpassen beim Kleben.
Das fertige Segment
Hat man ordentlich, präzise und sauber gearbeitet, dann kann man die Kupferrohre in die Pfannen auf den Schwellen legen. Das Ergebnis ist damit eine Schiene, die schwingungsgedämpft gelagert ist. Die Schwellen sind individuell verschiebbar und ein einzelnes Schienensegment ist ruckzuck auf- und wieder abgebaut. Durch das Isoband können die Schienen nicht verrutschen und sind gedämft gelagert (Gott, ich LIEBE das Zeug…)
Die Bauzeit für ein Segment beträgt ca. 3 Stunden. Beim ersten Segment wird man sicher länger brauchen, bei weiteren ist man dann ja routinierter.
Weiter gehts im zweiten Teil mit dem Wagen. Doch da der noch nicht gebaut ist, müsst ihr euch ein bisschen gedulden.
Viel Spaß beim Ausprobieren und Nachbauen und:
Happy happy, joy joy!








