Ständig hört man ja von Farbtemperatur und Weißabgleich. Jeder weiß, dass es sowas gibt und dass man einen Weißabgleich machen muss (?) Aber kaum einer weiß, was es damit eigentlich auf sich hat. Deshalb soll dieser kurze Artikel ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Die Farbe des Lichtes

Für die meisten Menschen ist weißes Licht weiß. Egal ob von der Sonne oder einer Glühlampe. Denn unser Auge führt eine Anpassung an das Umgebungslicht von ganz allein durch. Deswegen erscheint uns ein weißes Blatt Papier immer weiß - egal ob wir es unter der freien Sonne oder einer Lampe betrachten. In der Tat sieht man einen Unterschied erst, wenn man zwei verschiedene Lichtquellen nebeneinander betrachtet. Denn dann hat das Auge einen Vergleichswert. Dass das so ist beruht auf der Farbtemperatur des Lichts. Diese wird aufgrund ihrer Definition so genannt: Man nehme einen schwarzen Körper (ein idealisierter Körper, der kein Umgebungslicht reflektiert) und erwärme ihn. Ab einer bestimmten Temperatur beginnt der Körper zu glühen. Zunächst glüht er in roter Farbe (er sendet langwellige Infrarotstrahlung aus). Je weiter man ihn nun erwärmt, desto weißer wird das Licht. Wenn man ihn noch weiter erwärmt, sendet der Körper irgendwann bläuliches Licht aus, da der Anteil an kurzwelliger UV Strahlung zunimmt. Die Temperaturen werden dabei jeweils in Grad Kelvin gemessen.

Das Ganze ist zwar mehr ein theoretisches Gedankenexperiment, da es einen solchen idealen Körper nicht gibt, die berechneten Wellenlängen bei der entsprechenden Temperatur stimmen aber mit der von realen Lichtquellen überein. Die folgende Tabelle (Quelle: Wikipedia - Farbtemperatur) zeigt ein paar Lichtquellen und ihre Farbtemperatur:

Lichtquelle Farbtemperatur
Kerze 1.500 K
Glühlampe (40 W) 2.680 K
Glühlampe (100 W) 2.800 K
Glühlampe (200 W) 3.000 K
Halogenlampe, Leuchtstoffröhre (Warmweiß) 3.000 K
Fotolampe Typ B, Halogenglühlampe 3.200 K
Fotolampe Typ A bzw. S, Spätabendsonne kurz vor Dämmerungsbeginn 3.400 K
Leuchtstoffröhre (Kaltweiß) 4.000 K
Xenon-Lampe, Lichtbogen 4.500-5.000 K
Morgensonne/Abendsonne, D50-Lampe (Druckerei) 5.000 K
Vormittags-/Nachmittagsonne 5.500 K
Elektronenblitzgerät 5.500-5.600 K
Mittagssonne, Bewölkung 5.500-5.800 K
Tageslichtlampe 5.600-7.000 K
Bedeckter Himmel 6.500-7.500 K
Nebel, starker Dunst 7.500-8.500 K
Blauer Himmel (z. B. im Schatten) bzw. kurz nach Sonnenuntergang
und kurz vor Sonnenaufgang, Blaue Stunde
9.000-12.000 K
Klares blaues, nördliches Himmelslicht 15.000-27.000 K

Das bedeutet also, wenn unser schwarzer Körper auf etwa 5600° Kelvin erwärmt wird, dann entspricht sein Licht dem Tageslicht.
Unsere Augen sind von der Natur schlauerweise so angelegt, dass für uns Weiß immer gleich Weiß ist. Fotografische Systeme (Fotoapparat, Filmkamera) stellen sich da etwas dümmer an. Ihnen muss man mitteilen, welche Temperatur das Umgebungslicht hat (dass es Automatiken gibt, sei dahingestellt, da sie nicht immer zufrieden stellend funktionieren.) Dafür haben die meisten Kameras mehrere Voreinstellungen (Tungsten, Daylight, …) und natürlich die Möglichkeit einen Wert manuell einzugeben (Manueller Weißabgleich). Wenn man nicht die richtige Farbtemperatur wählt, dann wird das Bild farbstichig - und zwar immer rotstichig oder blaustichig. Das hängt davon ab, ob die Lichtquelle wärmer oder kälter ist, als der eingestellte Wert.

Das bedeutet, dass wenn ich an meiner Kamera eine Farbtemperatur von 5600K einstelle und damit das Licht einer Lampe mit einer Temperatur von 3000K fotografiere, dann wird das Bild… Rotstichig! Stelle ich an meiner Kamera eine Temperatur von 3000K ein und fotografiere damit im Freien bei Sonnenschein (5600K) dann wird das Bild… richtig: Blaustichig. Nur wenn wir an der Kamera die passende Farbtemperatur wählen, wird unser Foto oder Film die richtigen Farben zeigen und Weiß wird Weiß sein.

Beim obigen Bild sieht man einen kleinen Versuchsaufbau um den Zusammenhang zwischen verschiedenen Farbtemperaturen und verschiedenem Weißabgleich zu untersuchen. In die Lampe sind drei verschiedene Röhren eingebaut. Eine Kunstlicht-Röhre und zwei verschiedene Tageslichtröhren - eine mit 5000K und eine mit ca. 6000K. Es wurde bei jedem Foto ein anderer Weißabgleich gemacht. Beim linken Bild wurde der Weißabgleich auf 3400K eingestellt. Dadurch ist die rechte Röhre weiß. Die anderen beiden sind blau, wobei die mittlere etwas blauer ist. Auf dem zweiten Bild wurde der Weißabgleich auf 5000K eingestellt und die linke Röhre ist nun weiß. Die mittlere hat einen leichten Blaustich, die rechte Röhre ist leicht Rosa. Beim dritten Bild wurde der Weißabgleich dann auf 6000K eingestellt, wodurch die mittlere Röhre nun neutral Weiß ist. Die linke Röhre ist leicht gelbstichig, die rechte Röhre dafür fast schon Orange (Die Farben können bei nicht kalibrierten Monitoren eventuell abweichen)

Mischlicht

Problematisch wird es in dem Moment, wo Lichtquellen mit unterschiedlicher Farbtemperatur aufeinandertreffen. Denn da ist es unmöglich die richtige Temperatur zu wählen. Sowas passiert z.B. dann, wenn man einen Innenraum mit Lampen beleuchtet und auf dem Motiv ein Fenster mit Tageslicht zu sehen ist.

An diesem Beispiel wird das sehr deutlich. Beim linken Bild wurde der Weißabgleich auf Kunstlicht gemacht - also auf ca. 3000K. Die Wand rechts ist genauso weiß, wie sie sein sollte, da sie von einer Lampe beleuchtet wird. Das Licht vom Fenster ist erwartungsgemäß knallblau. Beim rechten Bild dagegen ist der Weißabgleich auf Tageslicht, also 5600K gemacht. Hier ist das Licht, das vom Fenster kommt schön weiß, die Wand unter der Lampe hingegen ist orange. Bis zum heutigen Tag gibt es keine Möglichkeit an der Kamera etwas einzustellen, dass sie mit dieser Situation klarkommt. Man kann aber trotzdem etwas dagegen tun.

Filter

Um das Problem mit Mischlicht zu vermeiden ist es notwendig, das Licht zu kühlen oder zu wärmen. Denn Gott sei Dank kann man die Lichtfarbe über einen Farbfilter korrigieren.

Um Verwirrungen vorzubeugen vielleicht ein kleiner Hinweis: Auch wenn Licht mit einer Temperatur von 3000K von der Temperatur her “kälter” ist als Licht mit 5600K, wird es dennoch als warmes Licht bezeichnet. Entsprechend der Farbpsychologie wird rotes und oranges Licht als warm empfunden, blaues und violettes Licht dagegen als kaltes Licht. Das ist zwar entsprechend der Farbtemperatur etwas widersinnig, ist aber im Jargon der Beleuchter so drin. Eine Lampe ist demnach vom Lichteindruck warm, Tageslicht eher kühl.

Wenn man warmes Licht also kühlt, dann hebt man die Farbtemperatur an (thermodynamisch falsch, aber wie gesagt, es geht mehr um die Farbpsychologie). Wenn ich also eine Lampe habe und den Weißeindruck von Tageslicht brauche (weil ich z.B. eine Tageslichtszene zusätzlich aufhellen muss) kann ich einen Blaufilter nehmen. Blau und Rot kompensieren sich immer. Folgerichtig kann ich kaltes Licht mit einem Orange oder Rotfilter wärmen.

Für die beiden Beispielbilder bedeutet dies, dass ich entweder die Lampen mit einem Blaufilter umwickeln kann oder das Fenster mit einem Orangefilter zuklebe. In beiden Fällen wird einfach die Farbtemperatur der einen Lichtquelle auf die der anderen gebracht. Welchen Weg man wählt kann man pauschal nicht beantworten. Zunächst bedeutet Filtern immer, dass etwas verloren geht. D.h. die Lichtquelle verliert immer an Lichtleistung (sie wird dunkler). Man sollte also vielleicht die stärkere Lichtquelle filtern. Andererseits ist Folie relativ teuer, so dass z.B. eine Lampe weniger Folie brauch als ein großes Fenster. Aber: Lampen werden meist auch wärmer als Fenster, und da die Folien aus Kunststoff sind, beginnen sie ab ca. 150°C Umgebungstemperatur sich zu zersetzen oder zu schmelzen.

Es ist also ein ständiger Kompromiss mit Rahmenbedingungen. Man muss immer individuell abwägen, was billiger, einfacher, besser oder schneller ist.

Für Coma verwenden wir z.B. F-CTB Filter von Lee um die Baustrahler auf Tageslicht zu kühlen. F-CTB bedeutet dabei Full Color Temperature Blue: Full ist ein Abstufungsgrad (es gibt auch Double, Three Quarter, Half, Quarter und Eight) und CTB bedeutet eine Verschiebung zum Blauen hin. Der Filter ist also Blau ;) Es gibt natürlich auch CTO Filter, die dann Orange sind und das Licht wärmen.

Farbstich kreativ.

Es ist unerlässlich, immer einen korrekten, manuellen Weißabgleich zu machen. … … … Ach? Über einen (bewusst) falschen Weißabgleich lassen sich eine Reihe interessanter Effekte erzielen. Der Klassiker schlechthin - und sicherlich jedem bekannt - ist die Amerikanische Nacht. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn Nachtszenen bei Tageslicht gedreht werden sollen (weil man sie da einfacher ausleuchten kann) und stammt, wie der Name es vermuten lässt, aus den amerikanischen Filmstudios. Dabei wird der Weißabgleich auf ein rotes Blatt Papier gemacht. Das Bild wird nun blaustichig. Wird die Kamera nun ein bis zwei Blenden abgeblendet sieht es aus, als wäre das Bild bei Nacht aufgenommen worden.

Der Trick funktioniert natürlich auch in die andere Richtung. Filmt oder fotografiert man im Sommer z.B. grüne Wiesen, sehen diese knackiger aus, wenn man den Weißabgleich auf ein leicht türkises Blatt Papier macht. Das Bild wird dadurch wärmer und das Grün der Wiese saftiger. Szenen, die von Kerzenschein beleuchtet sein sollen sind auch ähnlich. Hier entweder ein stärkeres Blau auf dem Blatt Papier nehmen oder mit Kunstlicht beleuchten und eine Tageslichtvoreinstellung an der Kamera wählen.

Weißabgleich nur bei Video?

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Farbtemperatur keineswegs nur eine Sache von Digitalkameras ist. Schon zu Zeiten von analogem Film  wurde zwischen Tungsten und Daylight Film unterschieden. Tungsten ist dabei im englischsprachigen Raum die Bezeichnung für Kunstlicht und Daylight für Tageslicht. Es muss dann der entsprechende Farbfilm für Innen- oder Außenaufnahmen besorgt werden.

Fazit

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel die Themen Farbtemperatur und Weißabgleich ein wenig entmystifizieren und einige Anregungen für kreatives Arbeiten mit Licht geben. Und da Probieren bekanntlich über Studieren geht, sollte jeder diese Versuche selbst nachmachen um zu verstehen, was dabei vor sich geht. Eure Filme werden es euch auf jeden Fall danken. Über Feedback freue ich mich natürlich immer, da es mir hilft, kommende Artikel zu verbessern.

Ich wende mich nun aber wieder der Arbeit an Coma zu und verabschiede mich mit:

Happy happy, joy joy!

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